Particitainment oder: Beteiligen wir uns zu Tode?

Die Gefahr, dass Bürgerbeteiligung zur Unterhaltung verkommt, hat Klaus Selle bereits 2011 in einem immer wieder lesenswerten Aufsatz beschworen.

“Particitainment” greift um sich. Statt substanzieller Diskurse im Kontext einer lebendigen lokalen Demokratie wird eine Bürgerbeteiligung inszeniert, die Teilhabe an Meinungsbildung und Entscheidungen suggeriert ohne dies einlösen zu können. De facto bleiben viele Ergebnisse dieser Prozesse ohne wesentlichen Einfluss auf die Stadtentwicklung und verändern auch die eingespielten Mechanismen der lokalen Politik und Verwaltung nicht. Mehr noch: Die Inflationierung nachhaltig wirkungsloser Teilhabe-Verfahren könnte womöglich Politik- und Planungsverdrossenheit befördern.
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Gelegentlich hat man den Eindruck, “Particitainment” solle dazu dienen, den Bürgerinnen und Bürger ihre zuschauerdemokratischen oder wutbürgerlichen Unarten auszutreiben und sie zu jenen verträglichen und kreativen Partnern zu machen, die man sich für gedeihliche Stadtentwicklungsprozesse wünscht. Das wird nicht gelingen – jedenfalls nicht durch “Bespaßung” und Beteiligungsangebote ohne Substanz. Und selbst wenn man das meidet werden die Bürgerinnen und Bürger – wie übrigens alle anderen Akteure im Prozess der Stadtentwicklung auch – ihren “Eigen-Sinn” behalten.