Forschung/Evaluation

Wirkungsanalysen zu Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung

Hemmnisse, Stellschrauben und Perspektiven für die Durchführung von Wirkungsanalysen zu Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung untersucht Moritz Maikämper in seiner Dissertation.

Beteiligungsprozesse gehören seit Jahrzehnten zum Alltag der Stadtentwicklungspraxis. Ebenso lang sind sie Gegenstand von Forschungsarbeiten. Wiederkehrend werden Fragen nach den Wirkungen oder dem Erfolg der Beteiligung gestellt. Wirkungsvolle Beteiligung wird verschiedentlich als Handlungsziel benannt. Dennoch bleibt empirisches Wissen über Wirkungen von Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung rar. In den vergangenen Jahren sind etliche Handbücher, Leitlinien und Qualitätskriterien erschienen; einer einschlägigen Wirkungsforschung wird jedoch anhaltend unterstellt, sie stecke in den Kinderschuhen. Vor diesem Hintergrund ergründet die Arbeit Hemmnisse, Stellschrauben und Perspektiven für die Durchführung von Wirkungsanalysen zu Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung. Wirkungsanalysen sind nicht eindeutig definiert; der theoretische Zugang der Arbeit erfolgt über Evaluationen. Besonderes Interesse gilt den Möglichkeiten, Wirkungen von informellen und einladenden Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung zu untersuchen, bei denen Verantwortliche in der Prozessgestaltung frei sind. Untersuchungsleitend ist die Frage, inwieweit Wirkungsanalysen dazu beitragen können, Wirkungen und Wirkungsmechanismen von Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung besser zu verstehen. Forschungsansatz und Vorgehen sind grundlagenorientiert, explorativ, lernend, multimethodisch sowie, soweit möglich, inter- und transdisziplinär. Zunächst wurden mögliche Hemmnisse für die Durchführung von Wirkungsanalysen mithilfe einer Kreativitätstechnik und Literaturarbeit gesammelt und mit Expert:innen diskutiert. Darauf aufbauend sind 15 Thesen zu beeinflussbaren Hemmnissen entstanden, die im Rahmen einer Online-Befragung 90 Personen zur Gewichtung vorlagen. Die Auswertung erfolgte vergleichend in Gruppen, unterschieden nach beruflichen Tätigkeitsschwerpunkten der Befragten und ihrem Sachverstand. Zudem wurden Anregungen aus der Befragung ausgewertet und die identifizierten Hemmnisse systemisch auf Wechselwirkungen untersucht. Die Recherche bestehender Konzepte, einschlägiger Anwendungsfälle und Wirkmodelle ergänzte das Vorgehen. Es zeigt sich, dass relevante Vorarbeiten weit verstreut sind – über wissenschaftliche Disziplinen, Publikationsarten und Jahrzehnte hinweg. Online-Befragung und systemische Untersuchung belegen, dass bedeutende Hemmnisse verschiedenartig sind und vielfältig ineinandergreifen. Als einzige Stellschraube, um Wirkungsanalysen zu befördern, wurde das Setzen von Anreizen und Vorgaben identifiziert. Darüber hinaus ließen sich Erkenntnisse zu Voraussetzungen und Grenzen von Wirkungsanalysen erzielen. Deren Einsatz zu Beteiligungsprozessen in der Stadtentwicklung erscheint im Ergebnis zwar möglich, aber überaus herausfordernd, denn offen bleiben planungstheoretische Probleme und die Frage, inwieweit es gelingt, Aufwand und Nutzen von Wirkungsanalysen in ein Gleichgewicht zu bringen, auch wenn hierfür Perspektiven erarbeitet werden konnten.

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