Die Weisheit der Vielen – Bürgerbeteiligung im digitalen Zeitalter

Wie schätzen Expertinnen und Experten die Bürgereinbindung in der digitalen Stadt ein? Darüber informiert eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

 

Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist für ein funktionierendes Gemeinwesen in unseren Kommunen essenziell. Digitale Technologien schaffen ganz neue Möglichkeiten für die Kommunen, das Wissen und die Wünsche der Stadtbewohner in Planungen einzubeziehen. Soziale Netzwerke, Webplattformen oder Kurznachrichtendienste haben das Potenzial, die Kommunikation über Stadt auf neue Füße zu stellen. Digitale Visualisierungs-Technologien können städtische Projekte auch für Laien anschaulich machen. Algorithmen können heute Foren und Teile des Internet durchforsten und der Stadtverwaltung automatisiert berichten, ob und wie die Bürgerinnen und Bürger in der Online-Welt über ihre Stadt denken.
Open-Government-Ansatz, die Verwendung neuer technischer Möglichkeiten wie Immersion und die Digitalisierung zivilgesellschaftlichen Engagements.
Zentrale Ergebnisse für die Stadtentwicklung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
In der Stadt der Zukunft wird der Arbeits- und Freizeitalltag der Bürgerinnen und Bürger von einer größeren, IT-gestützten Flexibilität gekennzeichnet sein. Mobile Ein- und Ausgabegeräte sowie Ambient-Intelligence-Systeme erlauben durch integrierte Assistenzanwendungen einen schnellen und intuitiveren Zugang zu städtischen Informationen und Abstimmungsprozessen. So können sich die Bürgerinnen und Bürger mit geringem Aufwand umfassend informieren und digital Feedback geben.
Bei komplexeren Themenabstimmungen werden die Bürgerinnen und Bürger zukünftig die Wahl haben, ob sie physisch oder virtuell am Entscheidungsprozess teilhaben möchten. Dabei können sie zwischen verschiedenen Darstellungs- und Interaktionsvarianten sowie dem Grad der Beteiligung wählen. Dies eröffnet einem breiteren Teil der Bürgerschaft die Möglichkeit zur Partizipation.
Big-Data-basierende Meinungsforschungsinstrumente werden künftig genutzt, um Bürgerpräferenzen in Stadtplanungs- und Stadtentwicklungsprozessen abzubilden. Somit können öffentlichkeitsbezogene Chancen, Risiken und Störereignisse bei Planungsvarianten besser berücksichtigt werden. Es werden unter anderem das Monitoring aktueller regions-und themenbezogener Medien sowie empirische Daten aus bisherigen Prozessen herangezogen, um Meinungstendenzen abzuleiten. Die Forderung nach Transparenz und Offenheit nimmt eine zentrale Rolle ein und wird zum Ausdruck der zukünftigen vernetzten Stadtgesellschaft. Daten und Informationen werden immer leichter zugänglich. Durch die Digitalisierung wird die Transparenz zur eingeforderten Maxime. Städtische Institutionen werden ihr Handeln stärker an gesellschaftliche Forderungen und Bedürfnisse anpassen müssen.
Offene Ansätze und Partizipationsplattformen werden in Zukunft dezentral durch die Stadtbevölkerung gefördert. Durch die Verbreitung bürgergestützter Partizipationsmodelle im Internet wird die politische Entwicklung hin zu einer offeneren, interaktiveren Verwaltung initiiert. Neue digitale Anwendungen fördern die Selbstorganisation und Autonomie unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt. Die absehbaren Entwicklungen erfordern von den Kommunen ein generelles Umdenken in puncto Digitalisierung. Die Bürgerinnen und Bürger werden die aktive Einbindung in kommunale Entscheidungsprozesse nicht nur vermehrt fordern, sondern diese Einbindung dank digitaler Möglichkeiten auch selbst verwirklichen können. Für Städte, die die Möglichkeiten der Digitalisierung für mehr Bürgerbeteiligung nutzen wollen, haben wir folgende Handlungsempfehlungen entwickelt:
1. Bürgerverständnis durch Big-Data-Analysen verbessern.
2. Bestehende Initiativen der Bürger und Bürgerinnen fördern und einbinden.
3. Digitale Beteiligungsformen adäquat einbinden.
4. Digitale Beteiligungsinstrumente fallorientiert auswählen.
5. Anreizformate schaffen und Nutzen aufzeigen.
6. Interkommunalen Austausch stärken.
7. Digitale Kompetenzfelder erweitern und aufbauen.

Download der Studie hier: http://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2017/smart-cities-buergerbeteiligung-dl.pdf;jsessionid=9B8D20B04823B3D1D2BF5B64CD837C66.live11292?__blob=publicationFile&v=2

drucken