Beteiligung im Kindergarten

Wie finden Kinder eigentlich ihren Kindergarten? Was würden sie ändern? Interessante Erkenntnisse liefert hierzu die Frankfurter Kinderumfrage 2016 „Beteiligung im Kindergarten“.

Von September 2016 bis Februar 2017 wurden in Frankfurter Kindertageseinrichtungen die Daten für die Frankfurter Kinderumfrage 2016 „Beteiligung im Kindergarten“ erhoben. Hierzu wurden 546 vier- und fünfjährige Kinder standardisiert und mithilfe eines Tablets befragt, um so mittels statistischer Verfahren Erkenntnisse über die Erfahrungen, Sichtweisen und die Beteiligungspraxis von Kindern in Kindergärten aus Kindersicht zu gewinnen; ergänzend wurde je ein Elternteil schriftlich befragt, um damit unter anderem jene Kontextvariablen – insbesondere soziodemografische Angaben – zu erheben, zu denen Kinder dieser Altersgruppe noch keine verlässlichen Angaben machen können.
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Betrachtet man die Beteiligungserfahrungen von Kindern im Kindergarten und die Kontextbedingungen zusammen, ergeben die Daten der vorliegenden Studie ein ausgesprochen differenziertes Bild, das manch tradierte Vorstellung von Beteiligung infrage stellt. Zunächst ist grundsätzlich festzuhalten, dass die befragten Kinder von sehr unterschiedlichen Beteiligungserfahrungen berichten und sich dabei bedeutsame Zusammenhänge zu individuellen, familiären und einrichtungsbezogenen Merkmalen zeigen.
Mit Blick auf die Dimension „Körperliche Selbstbestimmung“ lassen sich neben der sozialen Lage und dem Migrationshintergrund die Erfahrungen mit positivem Erziehungsverhalten und das Alter der Kinder als wesentliche Faktoren identifizieren. Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien, Kinder mit Migrationshintergrund und jüngere Kinder berichten häufiger von Erfahrungen körperlicher Selbstbestimmung im Kindergarten. Darüber hinaus haben auch positive Erziehungserfahrungen Einfluss auf das Ausmaß körperlicher Selbstbestimmung.
Auch für die Dimension „Mitbestimmung“ werden ähnliche Einflussfaktoren offenbar. Hier erweisen sich Alter, Migrationshintergrund und soziale Lage als bedeutsam, ebenso wie die Einschätzung des Erziehungsverhaltens. Das Alter der Kinder hat dabei das stärkste Gewicht, gefolgt vom Migrationshintergrund und negativem Erziehungsverhalten. Anders formuliert: In welchem Maße sich Kinder im Kindergarten beteiligt fühlen, ist wesentlich davon abhängig, wie alt sie sind, ob sie über einen Migrationshintergrund verfügen und ob sie über negatives Erziehungsverhalten berichten. Jüngere Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund berichten häufiger von Gelegenheiten zur Mitbestimmung. Gleichzeitig geht ein höheres Maß an Mitbestimmung auch mit häufigeren negativen Erziehungserfahrungen einher. Darüber hinaus erweisen sich auch die soziale Lage der Kinder sowie positive Erziehungserfahrungen als bedeutsam. Das heißt, dass Kinder aus sozial schlechter gestellten Familien und solche, die von positivem Erziehungsverhalten ihrer Erzieher/ -innen berichten, auch eher angeben, mitbestimmen zu können.
Bei der Analyse der Beschwerdeerfahrung der Kindergartenkinder zeigen sich demgegenüber andere Einflussfaktoren als bedeutend: Hier hat das Gruppenklima den stärksten Einfluss, gefolgt von negativem Erziehungsverhalten und der sozialen Lage. Anders formuliert: Ob sich Kinder im Kindergarten schon einmal beschwert haben, ist maßgeblich davon abhängig, wie sie das Gruppenklima bewerten. Wird im Kindergarten von viel Streit und Kindern, die oft geärgert werden, berichtet, gibt es auch häufiger Kinder, die sich beschweren.
Insgesamt machen die Befunde deutlich, dass die vier- und fünfjährigen Kinder über äußerst unterschiedliche Beteiligungserfahrungen, Erfahrungen mit körperlicher Selbstbestimmung und Beschwerde im Kindergarten verfügen und sich gleichzeitig dort mehrheitlich sehr wohlfühlen. Die große Mehrheit der befragten Kindergartenkinder kommt gerne in den Kindergarten und mag die Erzieher/-innen und die anderen Kinder. Das von ihnen als positiv wahrgenommene Erziehungsverhalten ist dabei von zentraler Bedeutung.

Download der Studie hier: https://www.stvv.frankfurt.de/parlisobj/B_341_2017_AN1_Frankfurter_Kinderbefragung_2016.pdf

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